Im Jahr 2019 wurde an der Universitätsmedizin Mannheim eine neue Gesamtorganisationsstruktur für die Medizinischen Technologen (MTRs) eingeführt, mit dem Ziel, die Bereiche der diagnostischen Radiologie, der interventionellen Radiologie, der Kinderradiologie und der Nuklearmedizin noch stärker miteinander zu verzahnen und gleichzeitig diagnostische und therapeutische Behandlungsketten zu optimieren. 2021 wurde diese Gesamtleitung mit modalitätsspezifischen Teamleitungen, beispielsweise für Nuklearmedizin, Magnetresonanztomografie, Computertomografie, konventionelles Röntgen oder interventionelle Radiologie verstärkt. Herr Prof. Dr. med. Stefan Schönberg im Gespräch mit Frau Susanne Lattenkamp, der Gesamtleitung der MTRs der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin und der Abteilung für Neuroradiologie, Frau Katrin Koziel, MTR-Bereichsleitung der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin und Teamleitung MRT, und Frau Nadine Becker, MRT-Bereichsleitung der Abteilung für Neuroradiologie und Teamleitung CT.
Was wurde durch die Einführung dieser neuen Gesamtorganisation an Zielen definiert und erreicht?
L: Durch die Zusammenlegung der beiden MTR-Bereiche der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin (KIRN) und der Abteilung für Neuroradiologie (NRAD) entstand ein gemeinsames MTR-Team mit insgesamt ca. 64 Vollzeitkräften. Ein Ziel war die Trennung der Patientenströme, das bedeutet, dass die stationären Patienten, die ambulanten Patienten und die Patienten der Notaufnahme sowie der interventionellen (Neuro-)-Radiologie jeweils an definierten Geräten untersucht werden. Vor der Trennung der Patientenströme und der Teamzusammenlegung wurden einige Geräte bereits gemeinsam von der KIRN und der NRAD genutzt, das hatte erhebliche Rüst- bzw. Wechselzeiten zur Folge. Diese ineffiziente Organisation wurde vereinfacht, die Wechselzeiten an den Geräten minimiert und gleichzeitig eine höhere Flexibilität bei der Einsatzplanung und Dienstplangestaltung gewonnen. Im Zuge der Trennung der Patientenströme wurde 2019 die Notaufnahme mit einem neuen CT ausgestattet, was in der Bewältigung der Pandemie enorme Vorteile brachte. Wir waren so in der Lage, die Patienten mit Verdacht auf eine Covid19-Infektion direkt in der Notaufnahme mittels CT zu untersuchen. Zum einen wurde der Kontakt zu nicht infektiösen ambulanten und stationären Patienten vermieden, zum anderen konnten wir auf eine dezentrale Vorselektion durch insensitive Röntgendiagnostik verzichten. Die Patienten erhielten direkt eine CT-Untersuchung, die für die Entscheidungen hinsichtlich Isolation und Therapie entscheidend ist.
Bezogen auf die Modalitäten mussten etliche Prozesse optimiert und teilweise komplett neu entwickelt werden, nicht nur durch die Zusammenlegung der Teams. Auch technische Entwicklungen, beispielsweise durch den Einsatz von KI zur Sequenzbeschleunigung in der MRT, haben unser Arbeitsumfeld und die Anforderungen an unsere Arbeitsorganisation verändert. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, haben wir unser MTR-Leitungsteam durch Teamleitungen ergänzt, die die Prozessanpassung für ihren jeweiligen Bereich unterstützt haben und auch weiterhin unterstützen.
Wie wurde das Team auf die Herausforderungen vorbereitet und welche Erfahrungen konnten in diesem Prozess der Umstrukturierung gewonnen werden?
B: Wir haben Spezialisierungen generell vertieft und uns gleichzeitig breiter aufgestellt. Auch hoch spezialisierte Kollegen der Neuroradiologie führen Untersuchungen der Leber oder der Lunge durch und bleiben so in der Routine. Das bringt zum einen eine Prozessbeschleunigung und erhöhten Patientenkomfort mit sich, da Patienten mit einer in mehreren Bereichen erforderlichen radiologischen Diagnostik nicht mehr separat in verschiedenen Abteilungen angemeldet und untersucht werden müssen. Wir haben kürzere Wege für die stationären Patienten, da sie am nächstgelegenen CT untersucht werden können. Die MTRs an den Gräten können beide Bereiche abdecken, Radiologie und Neuroradiologie. Hiervon profitieren vor allem die Schlaganfallpatienten, denn time is brain. Zusätzlich wird der Transportdienst entlastet und die Patienten sind schneller zurück auf ihrer Station.
K: Wir sind in der Lage, uns bei Spitzenbelastungen insbesondere außerhalb der Regeldienstzeiten besser aufzustellen und einen Personalwechsel zwischen verschiedenen Standorten zu vermeiden. Zusätzlich erleichtert die Zusammenlegung die Ausbildung sowohl in der allgemeinen Radiologie als auch in den Spezialgebieten wie Neuroradiologie, Kinderradiologie oder Intervention. Das gibt Sicherheit in Bezug auf ein großes Untersuchungsspektrum bei gleichzeitig durch die Zentrumsstruktur geförderter Spezialisierung. Damit können MTRs, die an der UMM-Akademie ihren Abschluss erwerben, und an ein anderes Haus oder in die Praxis wechseln möchten, auf ein breites Portfolio an Kenntnissen und Erfahrungen zurückgreifen und sich an der neuen Arbeitsstätte sofort einbringen.
Mit der Gesamtstruktur wurde nicht nur der MTR-Bereich weiterentwickelt, sondern auch die Prozesse, beginnend bei der Anmeldung, wurden neu gedacht. Die Zuständigkeit für die Leitstellenkräfte wurde in die Gesamtleitung übernommen. Welche Verbesserungen hat das gebracht?
L: Die Einbindung einer weiteren Berufsgruppe hat das Aufgabenspektrum der MTR-Leitung noch einmal deutlich erweitert. Unsere Leitstellenkräfte beschäftigen sich mit vielen Themen, die man hier nicht direkt verortet sehen würde. Natürlich entfällt auf die Betreuung der Patienten und Zuweiser im Anmeldeprozess ein großer Anteil der Aufgaben. Zusätzlich sind Abrechnung und Vergütung ein wichtiger Bestandteil der Leitstellenaufgaben, verbunden mit einer aufwendigen Dokumentation. Bevor wir beispielsweise eine nuklearmedizinische Untersuchung wie eine PET-CT durchführen, muss im Vorfeld geklärt werden, ob eine entsprechende Indikation besteht und die Krankenkasse die Vergütung übernimmt. Das ist gerade im nuklearmedizinischen Bereich komplex. Ein weiteres Thema sind HSA-Pauschalen, also die Vergütung von Leistungen, die in Hochschulambulanzen erbracht werden. Durch erfahrene Mitarbeiter:innen in diesem Bereich sind wir hier jedoch sehr gut aufgestellt. Da diese Aufgaben nicht primär in den Aufgabenbereich der MTR fallen, werden wir hier von Frau Ehler als Koordinatorin der Leitstellen unterstützt, die auf langjährige Erfahrung in den Bereichen Abrechnung zurückgreifen kann und zusätzlich anteilig für die EDV zuständig ist. Das hat uns auch bei der Einführung unseres digitalen Patientenportals sehr vorangebracht.
Im Alltag haben wir auf allen Seiten ein besseres Verständnis für die Tätigkeiten der jeweils anderen Berufsgruppen gewonnen, dadurch sind wir näher zusammengerückt.
Welche konkreten Vorteile sehen Sie durch die Einführung des digitalen Patientenportals?
L: Durch die Einführung des Patientenportals POLAVIS 2022 sind unsere Abläufe deutlich effizienter und damit auch patientenfreundlicher geworden. Wir erhalten vorab vom Patienten die relevanten Unterlagen digital und müssen sie nicht mehr am Tag der Untersuchung einscannen. Das verbessert die Vorbereitung auf die Untersuchung von unserer Seite, die Patienten erhalten bereits vor der Untersuchung Informationsmaterial und Angaben zur Untersuchungsvorbereitung und können sich schon zu Hause damit befassen. Die Reaktionszeit für die Terminvergabe hat sich verkürzt, unsere Patienten erhalten die Termine per E-Mail oder SMS. Die Bereitstellung der Dokumente nach der Untersuchung erfolgt ebenfalls digital.
Im Jahr 2023 kam die nächste Neuerung: die gesetzliche Vorgabe der Praxisanleiter. Wie wurde das umgesetzt und welche Bilanz kann man bisher ziehen?
K: Die Praxisanleiter-Befähigung wurde bei vielen unserer Mitarbeiter durch den Bestandsschutz gesichert. Wer bereits vor 2023 über die entsprechenden Kompetenzen verfügte, konnte durch die Erfüllung der jährlichen Fortbildungspflicht die ab 2023 erforderliche Befähigung ohne erneute Ausbildung erhalten. Da wir etwa 30 Mitarbeiter als Praxisanleiter einsetzen, hat uns die Koordination der 24-stündigen Fortbildung sehr gefordert. Durch die gute Zusammenarbeit und die Motivation, den Auszubildenden unseren Beruf näherzubringen und sie in unsere Strukturen zu integrieren, konnten wir diese Herausforderung gemeinsam bewältigen. Im Zuge der Hervorhebung der Praxisnähe der MTR-Ausbildung ist es uns auch gelungen, Minijobs für Auszubildende an der UMM-Akademie einzuführen. Das sorgt zum einen für die Entwicklung einer Arbeitsroutine und Erfahrung vor allem in der Notfallbildgebung bereits in der Ausbildung, zum anderen wird unser Personal in den Zeiten außerhalb der Regelarbeitszeit entlastet. Zusätzlich können wir durch die Zusammenarbeit einen persönlichen Bezug zu den Auszubildenden herstellen, verstärkt durch die erforderlichen Evaluationsgespräche. Wir können die Auszubildenden frühzeitig für uns als zukünftigen Arbeitgeber begeistern. Dieses Jahr dürfen wir bereits die ersten Auszubildenden in der Prüfung begleiten.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit der UMM-Akademie?
L: Die Zusammenarbeit mit der UMM-Akademie, die ihr 5-jähriges Bestehen feiert, hat sich in den letzten Jahren deutlich intensiviert. Im Austausch zur Umsetzung der neuen Anforderungen zur Praxisanleitung wurden beispielsweise gemeinsam die neuen Curricula der einzelnen Modalitäten wie CT und MRT erarbeitet. Die Praxiseinsätze müssen gut strukturiert sein, damit wir eine umfassende und zuverlässige Ausbildung gewährleisten können.
Die MTR-Leitung führt zweimal pro Jahr einen Karrieretag zur gezielten Nachwuchsförderung und -gewinnung durch. Was hat sich als besonders positiv gezeigt?
B: Wir präsentieren uns am Karrieretag als gesamtes Team, d. h. die Teilnehmer lernen den Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin und unsere Oberärzt:innen persönlich kennen. Wir haben uns ganz klar für eine Durchführung in Präsenz entschieden, hier ist eine völlig andere Kommunikation möglich als bei einer digitalen Veranstaltung. Die Auszubildenden kommen mit dem Klinikdirektor und den Oberärzt:innen ins Gespräch und können sich über Spezialisierungsoptionen informieren. Im Rahmen der Ausbildung können wir das gesamte Spektrum der Radiologie der UMM in der Patientenversorgung, Wissenschaft und Lehre nur anschneiden, am Karrieretag kann man sich gezielt entsprechend der persönlichen Interessen informieren.





