Im Jahr 2020 wurde in der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin das Ambulante Radiologische Zentrum (ARZ) gegründet. Ziel war die Etablierung einer Hochdurchsatzdiagnostik für elektive Patientinnen und Patienten mit kosteneffizienten Gerätestrukturen und zeit- sowie durchsatzoptimierten Protokollen. In Kooperation mit niedergelassenen Experten wurden Best-Practice-Modelle zur zeiteffizienten Diagnostik entwickelt. Gleichzeitig war die Gewährleistung einer konstant hochqualitativen Diagnostik auf universitärem Niveau und optimaler Komfort für die Patienten der Hochschulambulanz von hoher Priorität. Das Zentrum wird von Herrn PD Dr. Fabian Tollens geleitet, der die Ausrichtung, den Aufbau und die operative Umsetzung von Anfang an maßgeblich mitbegleitet hat.
Herr Privatdozent Dr. med. Fabian Tollens, Leiter des Ambulanten Radiologischen Zentrums (ARZ), und Sylvia Ehler, Business Intelligence Radiology (BIR) der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, sprechen mit Herrn Prof. Dr. med. Stefan Schönberg, Klinikdirektor der Radiologie und Nuklearmedizin der UMM, über die ambulante radiologische Versorgung in hochmodernen Strukturen.
Was hat sich beim Ambulanten Radiologischen Zentrum besonders bewährt im Vergleich zu den bisherigen Strukturen an unserer Klinik?
T: Wir haben im universitären Kontext die Herausforderung, verschiedene hochspezialisierte Patientenströme zu versorgen. Dazu zählen neben Notfall-, Intensiv- und stationären Patienten auch unsere ambulanten Patientinnen und Patienten. Um die Versorgung weiter zu harmonisieren, haben wir diese Untersuchungen im Ambulanten Radiologischen Zentrum gebündelt. Die Trennung der Patientenströme erlaubt uns die Konzentration auf die Bedürfnisse der ambulanten Patienten. Wir haben im ARZ eine Umgebung geschaffen, in der wir ähnlich einer radiologischen Praxis ein angenehmes Ambiente und eine enge und persönliche Betreuung unserer Patientinnen und Patienten gewährleisten sowie zeitoptimierte radiologische Untersuchungen ohne längere Wartezeiten anbieten können.
Welche konkreten Erfolge konnten hier erzielt werden? Welche unmittelbaren, messbaren Vorteile haben sich für die Patientinnen und Patienten durch das ARZ ergeben?
E: Das Ambulante Radiologische Zentrum ist eine Einrichtung der Hochschulambulanz der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin. Durch die Umlenkung der Patientenströme und die Gründung des ARZ konnte eine erhebliche Reduktion der Wartezeiten auf eine MRT-Untersuchung im stationären Bereich generiert werden, seit 2020 um insgesamt ca. 40 %. Gleichzeitig haben die erleichterten Organisationsabläufe und die optimierte Patientenvorbereitung den Durchsatz im ambulanten Bereich erhöht.
Im Rahmen des ARZ wurden auch völlig neue Konzepte wie das digitale Patientenportal eingeführt. Was verbirgt sich dahinter und welche besonderen Effekte konnten damit erreicht werden?
T: Wir verfolgen mit dem digitalen Patientenportal das Ziel, die gesamte Kommunikation mit unseren Patienten entlang der Versorgungskette auf digitalem Weg abzuwickeln. Das bedeutet, dass der Patient seinen Termin bereits digital über unser Patientenportal anfragen kann. Er kann im Vorfeld der Untersuchung Arztbriefe, Unterlagen und radiologische Bilder in das Portal hochladen. Nach Vereinbarung des Termins erhält der Patient umfassende Informationen, beispielsweise eine Erinnerung per SMS, Informationen zum Ablauf und einen Lageplan zur Orientierung. Am Untersuchungstag selbst kann die Untersuchung bestmöglich vorbereitet stattfinden, und im Anschluss können sämtliche Bilddaten und Befunde digital über das Patientenportal zur Verfügung gestellt werden.
Im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes sowie des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes spielen sektorübergreifende Prozesse und Abläufe durch digitale Optimierung eine besondere Rolle. Welche zukünftigen oder sich in der Umsetzung befindlichen Abläufe sind durch dieses Portal noch denkbar?
: Die Vernetzung mit unseren klinischen Kollegen ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal zur Sicherstellung einer modernen Krankenversorgung. Dazu gehört die zeitnahe Zurverfügungstellung radiologischer Bilder und Befunddaten. In diesem Rahmen sind wir in der Etablierung des POLAVIS-Zuweiserportals, das digitale Anmeldung, Kommunikation und Befundübermittlung mit den externen klinischen Kolleginnen und Kollegen ermöglicht, um die Prozesskette vom behandelnden Arzt über die radiologische Untersuchung zurück zum Patienten zu schließen.
Inwieweit nimmt die Radiologie hier eine Vorreiterrolle ein?
T: Bereits seit Längerem ist der radiologische Arbeitsfluss weitgehend digitalisiert. Sowohl die Bilddaten als auch die Befunde werden im Radiologie-Informations-System (RIS) und Bildarchivierungssystem (PACS – Picture Archiving and Communication System) digital verarbeitet. Durch die Zusammenarbeit mit POLAVIS haben wir als erste Klinik der Universitätsmedizin Mannheim ein Patientenportal nach den Förderrichtlinien des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) umgesetzt und die wichtigen Schnittstellen zwischen den Subsystemen wie dem Bildarchiv und dem klinischen Informationssystem (KIS) geschaffen. Hier nimmt die Radiologie eine wichtige strukturbildende Rolle ein: Auf Basis der von uns mitentwickelten Schnittstellen können weitere Kliniken eine eigene Portallösung anbieten, zunächst werden das die Klinik für Urologie und Urochirurgie sowie die Klinik für Dermatologie sein.





